- „Besonders
der Mantel ist wie ein Haus, in welchem man sich frei
bewegt. Er ist einerseits zwar getragen, aber nur an
einem Punkt, an der Schulter z. B., befestigt; im übrigen
aber entwickelt er seine besondere Form nach den Bestimmungen
seiner eigenen Schwere, hängt, fällt, wirft
Falten, frei für sich, und erhält nur durch
die Stellung die besonderen Modifikationen dieser freien
Gestaltung." (G. Fr. W. Hegel, Ästhetik)
- Ein
Mantel im Sinne eines Kleidungsstücks kann den
Körper wärmen und schützen. Er kann Geborgenheit
geben und unerwünschte Blicke abhalten. Er kann
auch Ausdruck von sozialem Rang sein, man denke nur
an liturgische Bekleidung wie etwa die Pluviale. Ein
weiterer Aspekt, der sich mir nicht unbedingt als erster
ausdrängt, ist der erotische. Ein Mantel kann im
Bereich des Fetischismus eine große Bedeutung
haben, sei er aus Leder oder Lack, getragen von einer
Domina, oder aus Pelz. Den wohl berühmtesten Pelzmantel
der Literatur beschreibt Leopold von Sacher-Masoch in
seinem Roman "Venus im Pelz", in dem Wanda, die "Herrin",
ihrem "Sklaven" Severin verspricht, "so oft als möglich
im Pelz zu erscheinen, besonders wenn sie gegen ihren
Sklaven grausam wird." Hier ist der Pelzmantel nicht
bloßes Luxusobjekt, das Reichtum demonstriert,
sondern eindeutig ein Fetischgewand. Die Bedeutung der
taktilen Erotik des Pelzes ist hier enorm.
- Freud
erklärte den Pelzfetischismus damit, dass Pelz
die Schamhaare der Mutter symbolisieren, in deren Mitte
(der Fantasievorstellung des kleinen Jungen zufolge)
ein Penis zu sehen sein sollte. Ob diese Interpretation
überzeugt, sei dahingestellt.
- "Verzückung"
umfängt jedenfalls Severin, als " die elastischen
Zobelfelle sich begehrlich an ihren kalten Marmorleib
schmiegen und der linke Arm, auf den sie sich stützte,
wie ein schlafender Schwan in dem dunklen Pelz des Ärmels
lag, während ihre Rechte nachlässig mit der
Peitsche spielte."
- Die
Wahrnehmung von Pelz auf nackter Haut ist für ihn
eigenartig und aufregend, aufgeladen mit statischer
Elektrizität, verbindet sich aber auch mit "Tyrannei",
"Grausamkeit" und "Treulosigkeit eines schönen
Weibes".
- Der
Mantel kann also, ob vom Träger/von der Trägerin
oder vom Betrachter, durchaus als erotisch wahrgenommen
werden, vor allem der Pelzmantel, dessen eigentlicher
Zweck, der Schutz bei extremer Kälte, völlig
außer acht gerät.
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