- Früheste
archäologische Zeugnisse datieren bis 3000 v. Chr.
zurück. Die Menschen schmückten ihre Ohren
aber wahrscheinlich auch schon vor dieser Zeit (z.B.
mit Muscheln oder polierten Kieseln). Die
Erfindung des Durchbohrens des Ohrläppchens stammt
aus dem Orient. Zu dieser Zeit gab es zwei Typen
von Ohrringen, die man unterschied: zum einen ein einfacher
starrer Ring und zum anderen kunstvoll gegliederte
Anhänger.
- 2000
v. Chr. schmückten Frauen ihre Ohren
mit goldenen Ringen in Form einfacher oder doppelter
Mondsicheln. Ohrringe in Form einer verlaufenden
Öse wurden zwischen 2000 und 1600 v. Chr. modern
(Minoische Zeit). Belege hierfür fand man in Gräbern
in Anatolien und in Griechenland,
Kreta. Weitere Abwandlungen und Entwicklungen
des mondförmigen oder des Bügeltyps repräsentieren
im Anschluss den Zeitraum zwischen 1600 und 1100 v.
Chr..
- 1159
bis 1085 v. Chr. kamen Ohrpflöcke
in Mode und verursachten Deformationen der Ohrläppchen.
- 800
v. Chr. machte sich vor allem der orientalische
Einfluss in Griechenland bemerkbar.
Es gab nun vorwiegend Goldobjekte. Ohrringe in flacher
Sichelform und Ohrringe in Form von Spiralen (oftmals
auch mit Goldstückchen beschmückt) traten
gehäuft auf.
- 600
v. Chr. war die Zeit der etruskischen
Ohrringe, auch in Sichelform, und erst im 6.
und 7. Jahrhundert v. Chr. änderten sich Form und
Gestalt des Ohrrings wieder bemerkbar. Bügel mit
Perlen besetzten Anhängern traten in den Vordergrund.
Im 5./6. Jahrhundert v. Chr. wurden daraus künstlerisch
glänzend verarbeitete Ohrringe, welche im 4. Jahrhundert
v. Chr. eine noch reichere Ausführung an Perlen
und Granulationen zeigten. Nebenbei fanden viele
verschiedene Ketten und Anhänger ihren Platz in
dieser Zeit.
- Am
Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. gab es dann
die ersten mit Edelsteinen verzierten Ohrringe.
- Im
2. Jahrhundert v. Chr. fand man vermehrt
Scheibenohrringe mit Vogelanhängern aus
Glaspaste.
- Bis
zum 13. Jahrhundert
zeigten sich keine großen Veränderungen in
der Art und der Verarbeitung der Ohrringe. Im 13. Jahrhundert
n. Chr. trugen die Frauen immer häufiger bootsförmige
Ohrringe.
- ab
dem 14. Jahrhundert gab es zunächst
kaum noch eine Chance für dieses Schmuckstück,
da die Frisuren (geflochtene Zöpfe über den
Ohren) dieses nicht zuließen. Auch im 15. Jahrhundert
n. Chr. verdeckten kunstvolle und komplizierte Kopfbedeckungen
die Ohren.
- Ab
1530 änderte sich die Haartracht wieder
und damit trug man auch wieder Ohrschmuck, meist Goldbügel
mit Perlenanhängern in einfachen Formen.
- Doch
erlaubte das 16. Jahrhundert hingegen bald wieder nur
eine eingeschränkte Verwendung des Ohrrings, weil
die Mode hohe und steife Spitzenkrausen verlangte. Als
kurz darauf der Stehkragen modern wurde, war wieder
Platz für den Ohrring geworden, da der Raum um
den Hals nun frei war. Aus diesem Grund trug man hauptsächlich
Ohrringe mit langen Gehängen.
- Im
17. Jahrhundert errangen Ohrringe eine neue
Selbständigkeit. Es tauchten viele neue Formen
auf, u.a. federförmiger Schmuck oder Ohrringe mit
Edelsteinen besetzt. Bei den immer komplizierteren Entwürfen
waren die einzelnen Elemente deutlich voneinander abgesetzt:
Bügel, Mittelteil und Anhänger. (Bilder S.25/33)
- Zeitalter
der Eleganz: Auch im 18. Jahrhundert setzte
sich die Beliebtheit der Girandole fort,
welche auch wieder die Haar- und Kleidermode betraf.
Die Haare wurden nach oben und vom Gesicht weg frisiert
und die Kostüme zeichneten sich durch einen tiefen
Ausschnitt aus. Demnach lagen Hals und Ohren frei, so
dass geradezu die Forderung nach Schmuck entstand. Girandolen
waren oft sehr groß und aufgrund dessen schwer,
auch bedingt durch die eingefassten Steine. (Bild S.56)
Ein weiterer Ohrringtyp war der Pendeloque, der
in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vorrangig
wurde. Er zeigte eine ovale Form, welche meistens mit
Juwelen ausgeschmückt wurde. (Bild S.52/53)
- Das
19. Jahrhundert: Reichtum und Neubelebung.
Die französische Revolution brachte die
Herstellung kostbarer Juwelen zunächst zum Stillstand.
Die folgenden Entwürfe der Ohrringe spiegelten
eine deutliche allgemeine Verarmung wieder. 1810 gab
es zwei neue Typen von Ohrringen. Poissarde
war ein halbkreisförmiger oder S-förmiger,
an der Rückseite an einem Scharnier angebrachter
Bügel, der von unten nach oben reichte, um an der
Vorderseite des Ohrrings einzurasten. (Bild S.68) Der
zweite Typ stellte lange Ohranhänger mit Kombinationen
von flachen und dünnen Goldelementen dar, die durch
feine Kettchen verbunden waren ("marquise"-förmige
Ohrringe). Ab 1830 waren lange Ohrringe modern, die
fast die Schultern berührten, sog. Tropfen-Anhänger.
- 1850
wurde die Tendenz zum Naturalismus deutlich (Weintrauben,
Blätter,...). Davon abweichende Ohrringe wiederholten
mondsichelförmige Bügel und langgezogene Perlen.
1860/1870 bekamen die Ohrringe riesige Ausmaße
(das Exotische). Die Frauen trugen nun keine Edelsteine
mehr, sondern sie behängten ihre Ohren mit ungewöhnlichen
Objekten, wie Windmühlen, Eimern, etc.. Außerdem
lebten auch die Girandolen wieder auf.
- 1870
bis ungefähr 1890 interessierte man
sich für sternförmige Motive als eingelegtes
zentrales Motiv von Ohrringen, meist in Flachdrahtfassungen.
Ende des 19. Jahrhunderts traten dann einfache und relativ
kleine Ohrringe in den Vordergrund.
|
|
 |